Schweden - ein "Musterland" der Wärmepumpen

Auch das schwedische Königshaus heizt mit dieser Technologie

Auch das schwedische Königshaus heizt mit dieser Technologie

Schweden ist das "Musterland in Sachen Wärmepumpe", meint Günter Schall. Der Leiter Produktmanagement Wärmepumpe bei IVT Industrier AB in Tranås, dem Kompetenzzentrum der Bosch Thermotechnik GmbH für dieses Produkt, beobachtet die Ent-wicklung seit einigen Jahren: "Mit deutlichem Abstand sind in Schwe-den europaweit die meisten Elektro-Wärmepumpen in Betrieb", stellt er fest, und dafür gibt es einige handfeste Gründe: marktfähige Technik, Akzeptanz in Politik und Gesellschaft, kompetente Marktpartner und Wirtschaftlichkeit.
Allein 2005 gingen dort mit 63.000 Anlagen rund ein Drittel aller in Europa neu installierten Wärmepumpen in Betrieb. Der Marktanteil von Wärmepumpen bei neu gebauten Einfamilien-häusern liegt bei 90 Prozent, "so hoch, wie in keinem anderen europäischen Land."

Mit Blick auf den Umweltschutz und das Bestreben, mit den natürlichen Ressourcen möglichst sparsam umzugehen, hat die Wärmepumpe gegen die mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizanlagen einen erheblichen Vorteil, nutzt sie doch kostenfreie und erneuerbare Energieressourcen – die Wärme aus dem Erdreich, der Außenluft oder der Abluft – und wandelt diese in Raumwärme und Warmwasser um.
Die Energiekosten liegen beim Betrieb der Wärmepumpe um bis zu 50 Prozent unter denen anderer Heizsysteme, und dies bei gleichem Wärmebedarf.

Auf und Ab der Marktentwicklung

Schaut man auf die Marktentwicklung der vergangenen Jahre, so ist zwar ein Auf und Ab zu erkennen, gleichwohl aber ein Trend hin zu immer mehr neu installierten Wärmepumpen.
Schall spricht von einer Pionierphase Ende der siebziger Jahre, einem Rückschlag in den frühen Achtzigern, einem "Comeback" Mitte der Achtziger, einer Flaute Anfang und Mitte der Neunziger, einer Wachstumsphase ab Mitte bis Ende der Neunziger und, was die momentane Situation betrifft, von einem anhaltenden Boom im neuen Jahrtausend.

Politische Faktoren und staatliche Weichenstellungen haben die Marktlage jeweils entscheidend mitbestimmt. So sind es ins-besondere die Nachwirkungen der Ölkrise, die den Wärmepum-penmarkt erst eröffnen. Der Staat fördert die Pionierphase dieser Technologie mit zinsfreien Darlehen.
1979 wird in Schweden die erste Erdsonde gesetzt. Technische Probleme, mangelhafte Produktqualität und fehlerhafte Instal-lationen parallel zum wieder sinkenden Ölpreis rufen den Rück-schlag hervor – immer weniger Anlagen werden verkauft, nur wenige Hersteller überleben.

Mitte der achtziger Jahre dann das Comeback. Das schwe-dische Wirtschaftswachstum steigt, viele Neubauten entstehen, hinzu kommen wieder erhöhte Ölpreise und geringere Strom-kosten. Die Hersteller haben dazugelernt und bieten jetzt bessere Produkte und ausgefeilteren Service. Das Image der Wärmepumpe steigt dank einiger Großprojekte, darunter ein Auftrag des schwedischen Königshauses: Auf Schloss Drott-ningholm kommen Wärmepumpen zum Einsatz, die Energie erhalten sie aus dem See vor dem Schloss.
Nach der anschließenden Flaute bis Ende der neunziger Jahre, die vor allem auf die hohe Arbeitslosenquote, Kaufzurückhaltung und fehlende Fördermittel zurückzuführen ist, sind die Zeichen wieder auf Wachstum gestellt. Die Bautätigkeit steigt und dezen-trale Anlagen gewinnen immer mehr an Bedeutung: "Die Wär-mepumpe ist technisch weiterentwickelt, das Handwerk besitzt ein gefestigtes Know-how und bietet auf die Anlagen abge-stimmte System- und Dienstleistungsangebote", so Schall.

Vom Wachstum zum Boom

Anfang des neuen Jahrtausends wird aus der Wachstums- eine "Boom-Phase". Aufgrund des hohen Ölpreises und der relativ geringen Investitionskosten rechnet sich der Austausch gege-benenfalls schon nach drei bis fünf Jahren.
Die Anzahl der neu installierten Wärmepumpen wächst von rund 23.000 im Jahr 2000 auf etwa 36.000 Einheiten im Jahr 2001. Die wesentlichen Gründe: explodierende Öl- und Gaspreise und damit ein Trend zum Energiesparen, zudem hohe Steuern auf alle Energieträger: "Das und ein günstiger Strompreis machen den Umstieg auf die Wärmepumpe zur echten Alternative."

Wärmepumpen arbeiten inzwischen hocheffizient und werden auch bei Heizungsrenovierungen zunehmend eingesetzt. Der Staat unterstützt die Installation von Wärmepumpen zum einen mit öffentlichkeitswirksamen Referenzanlagen, zum anderen erhalten schwedische Bauherren Darlehen, Steuervorteile und Fördermittel. Dank deutlicher politischer Signale habe dort mit der Wärmepumpe eine zukunftsfähige Technologie schon vor Jahren "Rückenwind" bekommen.
"In Deutschland verläuft dieser Aufschwung fast ohne staatliche Unterstützung, angetrieben von der Abhängigkeit von fossilen Energien, hohen Preisen und dem Umweltgedanken. Mit der Neuinstallation von Wärmepumpen wird Deutschland", so Schall, "in diesem Jahr Schweden hinter sich lassen."

IVT-Referenzprojekt Schloss Drottningholm:
Die Wärmepumpe nutzt das Wasser aus dem See
Bilder aus der Produktion - Hartlöten
Bilder aus der Produktion - Endmontage