Energieautarkie: Wann ist energetische Unabhängigkeit sinnvoll?

Energieautarkie steht in der ursprünglichen Lesart des Begriffs für vollständige, energetische Unabhängigkeit eines Systems. Lesen Sie hier, warum eine genaue Definition und die Betrachtung der Systemgrenzen wichtig ist und erfahren Sie, warum Energieautarkie im Rahmen der Energiewende als Ziel meist nicht sinnvoll ist!

Unabhängigkeit ist Definitionssache

Energieautarkie heißt Unabhängigkeit der Energieversorgung. Genauer gesagt: Ein energieautarkes Haus, eine technische Anlage oder eine politische oder geografische Region kann den eigenen Energiebedarf vollständig durch Eigenproduktion decken. Es ist keine Zufuhr von Energie von außen notwendig.

Der Begriff ist auf vielen Ebenen und in vielen Kontexten anwendbar: Für einzelne Geräte und Anlagen über Häuser und Immobilien bis zu ganzen Staaten, bei denen sich damit die Abhängigkeit von Importen betrachten lässt. So ist ein Taschenrechner mit Fotozelle energieautark. Die Bundesrepublik Deutschland ist dagegen aktuell noch in hohem Maß von Rohöl- und Erdgasimporten abhängig.

Echte und unechte Energieautarkie

Am häufigsten kommt der Begriff der Energieautarkie auf einzelne Gebäude und Anlagen zum Einsatz. Energieautarkie geht häufig mit Insellösungen einher. Es ist auch möglich, dass ein energieautarkes Objekt trotzdem mit Versorgungsnetzen verbunden ist.

Dann verschwimmen allerdings oft die Definitionen. So kann ein Nullenergiehaus zwar in der Gesamtbilanz Strom und Wärme zu hundert Prozent selbst produzieren. Doch zu konkreten Zeitpunkten kann das Gebäude durchaus von einer Energiezufuhr von außen abhängig sein. Diese gleicht dann die in anderen Momenten vorkommende Einspeisung ins Versorgungsnetz aus.

Passivhäuser, Nullenergiehäuser und Energieplushäuser verfügen in der Regel über einen Netzanschluss und speisen nicht nur Strom und Wärme ein, sondern beziehen auch Energie. Hier liegt nach ursprünglicher Definition also keine echte Energieautarkie vor. Trotzdem kommen sie häufig mit dem Begriff in Verbindung.

Ein interessantes Beispiel ist die autarke Stromproduktion mit einem Dieselgenerator. Einerseits besteht damit Unabhängigkeit vom Stromnetz . Andererseits kommt der Diesel ebenfalls von außerhalb des autarken Energienetzes. Das Objekt ist energetisch abhängig von äußerer Infrastruktur. So gilt es je nach Definition als energieautark oder nicht.

In der Regel haben energieautarke Häuser, Gebäude und Anlagen keine Anbindung an öffentliche Versorgungsnetze. Bei strenger Anwendung ist Energieautarkie nur durch Energieproduktion aus Quellen innerhalb der Systemgrenze möglich. Damit beschränkt sich die Auswahl langfristig auf die erneuerbaren Energien.

Wann ist Energieautarkie sinnvoll?

Für Energieautarkie gibt es zwei grundlegende Motivationen. Zum einen die Versorgung an abgelegenen Standorten, an denen ein Netzzugang nur schwer realisierbar ist. So sind zum Beispiel viele Berghütten in den Alpen energieautark. Strom und Wärme produzieren hier über Solaranlagen und andere Formen der erneuerbaren Energien vor Ort. Auch technische Einrichtungen an Orten mit schwacher Infrastruktur nutzen Energieautarkie : Wie die Solar-Straßenlaterne oder solarbetriebene Parkautomaten.

Der zweite Grund ist der Wunsch nach Unabhängigkeit der Energieversorgung. So hat der jeweilige Nutzer die volle Kontrolle über die Kosten und die Versorgungssicherheit. Im Fall von Privathaushalten ist dieses Argument eher ein psychologisches. Auf der Ebene von Staaten und Regionen ist die Energieautarkie eine zentrale, geopolitische Frage.

Die Wirtschaftlichkeit ist kein Argument für Energieautarkie , sondern eher dagegen. Isolierte, nicht vernetzte Gebäuden und Anlagen verbrauchen generell mehr Primärenergie als Teilnehmer eines Versorgungsnetzes. Die Energieversorgung über ein Netz mit vielen produzierenden und verbrauchenden Teilnehmern ist ab einer bestimmten Größe im Durchschnitt wesentlich wirtschaftlicher: weil Überkapazitäten und Spitzenverbräuche sich besser ausgleichen.

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